Ratgeber · Shopify-Umzug

Migration von Gambio zu Shopify: was mitkommt, was sich ändert

Ein gewachsener Gambio-Shop hat Kategorien, Artikel mit Varianten, Filter, Zusatzfelder, Cross-Selling, Ratgeberseiten und eigene Module. Was davon wie in Shopify ankommt, wie man dort eigene Anpassungen umsetzt – und wann sich der Umzug lohnt. Aus einem Umzug in der Praxis.

Frank Humpfle Stand: 1. November 2026 8 Minuten Lesezeit

Ein Gambio-Shop, der seit Jahren läuft, ist mehr als eine Artikelliste. Er hat einen Kategoriebaum, Artikel mit Varianten und Sonderpreisen, Filter, Zusatzfelder, Cross-Selling, Contentseiten mit eingebauten Artikellisten, Weiterleitungen alter Adressen – und meist ein paar eigene Module, ohne die er nicht der Shop wäre, den die Kunden kennen. Dieser Ratgeber beschreibt, was davon wie in Shopify ankommt. Er beruht auf dem Umzug eines Fachhandels-Shops mit gut tausend Artikeln, rund 150 Kategorien und 60 Ratgeberseiten.

Erst die Bestandsaufnahme

Vor dem ersten Datensatz steht eine Liste: Was hat der Shop, und wofür wird es gebraucht? Dazu gehören die Daten (Artikel, Kategorien, Kunden, Bestellungen, Gutscheine), die eigenen Funktionen (Module, Theme-Anpassungen, Platzhalter in Contentseiten) und alles, was von außen angebunden ist: Warenwirtschaft, Marktplätze, Google-Shopping, Buchhaltung, Zahlungsarten. Für jeden Punkt wird entschieden, ob er mitkommt, ersetzt wird oder entfällt.

Wichtig ist ein Migrationsprogramm statt Handarbeit. Es liest die Gambio-Datenbank und schreibt alles über die Schnittstelle in Shopify – nicht einmal, sondern so oft wie nötig. Jeder Probelauf im Testshop zeigt, was noch nicht stimmt, und am Tag des Umzugs läuft dasselbe Programm mit den aktuellen Daten noch einmal.

Was wohin wandert

In Gambio In Shopify Was man wissen sollte
Kategorien Kollektionen (Collections) Shopify kennt keinen Kategoriebaum. Die Hierarchie bleibt als Verweis auf die übergeordnete Kollektion erhalten; daraus entstehen Brotkrume, Unterkategorie-Kacheln und Menü.
Artikel Produkte Name, Beschreibung, Bilder, Artikelnummer, EAN, Gewicht, Bestand, Steuersatz (auch 7 %) und Meta-Angaben. Inaktive Artikel bleiben weg; ihre Adressen leiten auf die Kategorie weiter.
Eigenschaften und Kombinationen Varianten Höchstens drei Optionen je Produkt (etwa Farbe, Größe, Ausführung) und bis zu 2.048 Varianten. Wer mehr Eigenschaften kombiniert, muss Artikel aufteilen.
Sonderangebote „Vergleichspreis“ der Variante Der alte Preis steht durchgestrichen daneben.
Grundpreis Grundpreisangabe der Variante Menge und Bezugsgröße (etwa „je Liter“) werden mitgegeben.
Filter (Artikel-Filter, Filterauswahl) Metaobjekte und Metafelder, Filter in „Search & Discovery“ Jeder Filterwert wird ein eigener Datensatz, Farben bekommen ihr Farbkästchen. Statt „Kategorie-Filter“ je Kategorie zeigt Shopify einen Filter überall, wo Artikel einen Wert haben.
Zusatzfelder Metafelder am Produkt Jedes Zusatzfeld bekommt ein Metafeld mit passendem Typ (Text, Zahl, Liste, Verweis). Was eine Funktion steuerte – Gratis-Zugabe, Bildhinweise, Garantie –, liest danach das Theme.
Cross-Selling Produktverweise (Metafeld) Die Liste der empfohlenen Artikel hängt am Produkt; das Theme zeigt sie unter dem Artikel.
Hersteller Metaobjekt „Hersteller“ Mit Anschrift und Kontakt für die Herstellerangaben nach der Produktsicherheitsverordnung (GPSR) und dem Verweis auf die Markenseite.
Lieferstatus Metaobjekt „Lieferstatus“ „Sofort lieferbar“, „vorbestellbar“ und Co. bleiben als Text erhalten; vorbestellbare Artikel bleiben ohne Bestand kaufbar.
Contentseiten (Content Manager) Seiten (Pages) Mit Seitenhierarchie, Meta-Angaben, Bildern, PDF-Dateien und Videos. Platzhalter für Artikellisten werden beim Umzug aufgelöst und als Produktverweise an die Seite gehängt.
Rechtstexte Shopify-Richtlinien Impressum, AGB, Datenschutz und Widerrufsbelehrung kommen weiter vom Rechtstexte-Anbieter, nur über dessen Shopify-Anbindung.
Startseite, Menü, Footer Theme-Abschnitte und Menüs Hauptmenü aus dem Kategoriebaum, Footer-Spalten aus den bisherigen Inhalten.
Kunden und Bestellungen Kunden und Bestellungen Ohne Passwörter (siehe Fragen unten). Wie weit die Bestellhistorie zurückreicht, ist eine Entscheidung – drei Jahre sind ein guter Wert.
Gutscheine Geschenkkarten Offene Restwerte werden übernommen.
SEO-Adressen und Weiterleitungen URL-Weiterleitungen (301) Jede bisher erreichbare Adresse – Artikel, Kategorien, Seiten, alte Gambio-Skripte, die Weiterleitungen aus der .htaccess – bekommt genau eine Weiterleitung auf ihr neues Ziel, ohne Kette.

Was Shopify anders macht

Ein paar Unterschiede fallen erst bei der Arbeit auf:

  • Feste Adressen. Shopify bestimmt das Schema der Adressen selbst. Sprechende Pfade wie „/Spielwaren/Holzspielzeug/“ gibt es nicht mehr, nur noch „/collections/holzspielzeug“. Deshalb sind die Weiterleitungen so wichtig.
  • Filter für den ganzen Shop. In Gambio legt man je Kategorie fest, welche Filter erscheinen. In Shopify gibt es eine Liste für den ganzen Shop, höchstens 25 Filter, und jeder zeigt sich dort, wo er Werte hat.
  • Kein Zugriff auf Server und Datenbank. Alles läuft über den Shopify-Admin und die Schnittstelle. Das nimmt Arbeit ab, schließt aber auch manche schnelle Lösung aus, die in Gambio ein SQL-Befehl war.
  • Die Kasse gehört Shopify. Bestellablauf und Zahlungsseite sind einheitlich und gut gemacht, lassen sich aber nur in Grenzen anpassen.
  • Apps statt Module. Viele Funktionen, die in Gambio ein Modul brauchten, gibt es als App – oft gegen eine monatliche Gebühr.

Wie eigene Anpassungen in Shopify entstehen

In Gambio gilt: Eigene Funktionen gehören in Module, nie in Gambio-Dateien, sonst überschreibt sie das nächste Update. In Shopify ist der Grundsatz derselbe, nur die Orte sind andere.

  1. Einstellungen im Admin. Versand, Steuern, Zahlungsarten, Märkte, Filter in „Search & Discovery“: Was Shopify selbst kann, wird eingestellt und nicht nachgebaut. Weil Einstellungen nicht im Programmcode stehen, gehören sie in eine schriftliche Soll-Liste – sonst weiß beim nächsten Shop niemand mehr, was wo eingestellt war.
  2. Daten in Metafeldern. Alles, was ein Artikel über Shopifys Standardfelder hinaus braucht – Datenblatt, Lieferstatus, Herstellerangaben, Fragen und Antworten –, steht in Metafeldern und Metaobjekten. Im Admin sind sie pflegbar wie normale Felder.
  3. Bausteine im Theme. Was auf der Seite erscheint, entsteht als Block oder Abschnitt im Theme (in Shopifys Vorlagensprache Liquid): etwa Lieferzeit, Versandhinweis, Skonto-Kasten, Sicherheitshinweise oder Artikellisten in Ratgeberseiten. Im Theme-Editor lassen sich diese Blöcke danach verschieben und ein- oder ausschalten, ohne Code anzufassen.
  4. Apps aus dem App Store. Für vieles gibt es fertige Apps. Vor jeder App lohnt die Frage, was sie monatlich kostet, welche Daten sie bekommt und ob sie die Seite langsamer macht.
  5. Eine eigene App. Funktionen, die Formulare verarbeiten oder Daten speichern, laufen auf einem eigenen kleinen Dienst und erscheinen über eine eigene App unter der Shop-Adresse – im Beispiel etwa der gesetzlich vorgeschriebene Widerrufsbutton mit Formular und Eingangsbestätigung.

Entwickelt wird nie im laufenden Shop. Es gibt einen Testshop mit denselben Daten; jede Änderung wird dort in einer Vorschau geprüft, automatisierte Tests klicken die wichtigen Abläufe durch, und erst danach geht sie in den Shop der Kunden. Einen eigenen Shopify-Server auf dem eigenen Rechner gibt es nicht – der Testshop übernimmt diese Rolle.

Eine Folge sollte man kennen: Ein Theme, in dessen Code eigene Bausteine stecken, bekommt Updates des Theme-Herstellers nicht mehr automatisch. Neue Fassungen werden – wie ein Gambio-Update – bewusst übernommen und geprüft.

Eigene Funktionen: was aus den Modulen wird

Die Module eines Gambio-Shops fallen beim Umzug in drei Gruppen:

  • Shopify kann es selbst. Bildformate wie WebP, schnelle Auslieferung, Sicherheitsupdates, Kundenkonten, viele Zahlungsarten: Das Modul entfällt ersatzlos.
  • Es wird ein Theme-Baustein. Anzeige-Funktionen wie Lieferzeit, Versandhinweis, Datenblatt, Hinweis „nicht im Lieferumfang“, Brotkrume mit Hierarchie, Artikellisten in Contentseiten oder ein Geschenkefinder mit mehreren Fragen werden im Theme nachgebaut. Der Geschenkefinder etwa nutzt in Shopify die Filter von „Search & Discovery“ – die Zahl der passenden Artikel je Antwort liefert Shopify dann selbst.
  • Es braucht eine App. Was in den Warenkorb oder die Kasse eingreift – eine Gratis-Zugabe, die automatisch mitkommt, automatische Rabatte für Schulen – oder was Daten speichert, braucht eine fertige oder eine eigene App.

Nicht jede Gambio-Funktion ist zum Umzugstag nötig. Eine ehrliche Liste „vor dem Umzug“ und „danach“ verhindert, dass der Umzug an der letzten Kleinigkeit hängt.

Vorteile des Umzugs

  • Kein Server, keine Updates des Shopsystems. Hosting, PHP-Versionen, Sicherheitslücken und Gambio-Updates sind Shopifys Sache.
  • Stabile Leistung. Seiten und Bilder kommen schnell, auch bei Spitzen wie dem Schulanfang oder Weihnachten.
  • Gute Kasse. Ein bewährter Bestellablauf mit vielen Zahlungsarten und schnellem Bezahlen per Shop Pay.
  • Großes App-Angebot. Für viele Anforderungen gibt es fertige Lösungen, die sich ohne Programmierung einbinden lassen.
  • Saubere Erweiterbarkeit. Daten in Metafeldern, Anzeige in Theme-Bausteinen, Logik in Apps – das zwingt zu einer Ordnung, die in gewachsenen Shops oft fehlt.
  • Moderne Pflege. Der Admin läuft auch auf dem Handy; Bestellungen lassen sich unterwegs bearbeiten.

Nachteile des Umzugs

  • Laufende Kosten. Monatlicher Tarif, Transaktionsgebühren je nach Zahlungsart und Tarif, dazu Apps, die oft monatlich abrechnen.
  • Weniger Kontrolle. Kein Zugriff auf Server und Datenbank, die Kasse nur begrenzt anpassbar, Adressschema fest vorgegeben.
  • Grenzen im Datenmodell. Drei Optionen je Produkt, höchstens 25 Filter je Shop, keine Filterauswahl je Kategorie.
  • Abhängigkeit von Apps. Eine Funktion aus einer App verschwindet mit der App – und Preise können steigen.
  • Aufwand für eigene Funktionen. Was ein Gambio-Modul war, muss neu gebaut werden; Funktionen, die in den Warenkorb eingreifen, sind in Shopify aufwendiger.
  • Umzugsrisiko. Weiterleitungen, Rechtstexte, Schnittstellen zu Warenwirtschaft und Marktplätzen: Jeder Punkt muss vor dem Umschalten stimmen. Ein unvollständiger Umzug kostet Platzierungen und Bestellungen.
  • Rechtliches neu prüfen. Datenschutzerklärung, Cookie-Einwilligung, Verarbeitungsverzeichnis und Pflichtfunktionen wie der Widerrufsbutton müssen zur neuen Technik passen.

Wann sich der Umzug lohnt – und wann nicht

Eher lohnend, wenn der Gambio-Shop viel Pflege an Server und Updates kostet, wenn mehrere Personen im Shop arbeiten und eine einfache Verwaltung wichtiger ist als jede Sonderlösung, wenn Shopify-Apps eine teure Eigenentwicklung ersetzen oder wenn der Shop weiter wachsen soll – etwa in weitere Länder.

Eher nicht, wenn der Shop von Funktionen lebt, die tief in Warenkorb und Kasse eingreifen, wenn Artikel mehr als drei kombinierte Eigenschaften brauchen, wenn ein gut gepflegter Gambio-Shop zuverlässig läuft und die laufenden Kosten den Ausschlag geben – oder wenn kurz vor dem stärksten Verkaufszeitraum keine Zeit für einen sauberen Probelauf bleibt.

So läuft ein Umzug ab

  1. Bestandsaufnahme und Entscheidungen: Daten, Funktionen, Schnittstellen – was kommt mit, was ersetzt, was entfällt.
  2. Datenmodell in Shopify: Metafelder und Metaobjekte für alles, was über die Standardfelder hinausgeht.
  3. Migrationsprogramm und Probeläufe im Testshop: so oft, bis Artikelzahl, Kategorien, Seiten und Stichproben übereinstimmen.
  4. Weiterleitungen: jede alte Adresse auf ihr neues Ziel, geprüft gegen den laufenden Gambio-Shop.
  5. Theme und eigene Funktionen: Bausteine im Theme, Apps, eigene App für Formulare.
  6. Einstellungen und Rechtliches: Versand, Steuern, Zahlungsarten, Filter, Rechtstexte, Cookie-Einwilligung, Widerrufsbutton.
  7. Automatisierte Tests im Testshop: dieselben Abläufe, die bisher den Gambio-Shop geprüft haben.
  8. Umschalten: letzter Datenabgleich, Domain auf Shopify, Kundeneinladungen, danach die Search Console genau beobachten.

Quellen

Shopify-Grenzen und Funktionen laut Shopify-Hilfe (geprüft am 1. November 2026):

Häufige Fragen

Gehen beim Umzug von Gambio zu Shopify meine Google-Platzierungen verloren?

Nicht, wenn jede alte Adresse dauerhaft (301) auf ihre neue weiterleitet. Shopify verwendet ein festes Adressschema – Artikel unter /products/, Kategorien unter /collections/, Seiten unter /pages/ –, deshalb ändern sich praktisch alle Adressen. Die Weiterleitungen werden vor dem Umschalten angelegt und gegen den alten Shop geprüft.

Kann ich meine Gambio-Filter in Shopify weiterverwenden?

Ja, als Filter der kostenlosen Shopify-App „Search & Discovery“. Die Filterwerte werden dafür als eigene Datensätze (Metaobjekte) angelegt und den Artikeln zugeordnet. Anders als in Gambio legt man in Shopify aber nicht je Kategorie fest, welche Filter erscheinen: Ein Filter zeigt sich überall dort, wo die Artikel einer Kategorie einen Wert dafür haben. Insgesamt sind höchstens 25 Filter je Shop möglich.

Was passiert mit meinen Kundenkonten?

Kundendaten und Bestellhistorie lassen sich übernehmen, Passwörter nicht: Shopify kann die verschlüsselten Gambio-Passwörter nicht lesen. Die Kunden bekommen nach dem Umzug eine Einladung, ihr Konto zu aktivieren, oder melden sich über Shopifys Anmeldung per E-Mail-Code an.

Brauche ich für Shopify noch einen Entwickler?

Für den Alltag – Artikel pflegen, Bestellungen bearbeiten, Rabatte anlegen – nicht. Für Funktionen, die es weder in Shopify noch als App gibt, schon: Sie entstehen als Bausteine im Theme oder als eigene kleine App. Der Unterschied zu Gambio: Server, Updates und Sicherheit des Shopsystems liegen bei Shopify.

Kann ich Shopify vor dem Umzug in Ruhe ausprobieren?

Ja. Ein Testshop ist mit einem Passwort geschützt und für Kunden und Suchmaschinen unsichtbar. Dort lässt sich der komplette Umzug durchspielen, so oft wie nötig, ohne dass der laufende Gambio-Shop etwas davon merkt.